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Sichere Zukunftsperspektive

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Kompetenzen formal bestätigt – Florian Malecki

KOMPETENZANERKENNUNG: Mit ValiKom Transfer haben Selbstständige und Angestellte die Möglichkeit, informell erworbene Kompetenzen anerkennen zu lassen – und so ihre Chancen auf dem (Arbeits-)Markt zu verbessern.

Berufliche Lebensläufe haben oft eine ganze eigene Dynamik. Wie bei Florian Malecki. Der heute 45-Jährige wollte eigentlich Profi-Musiker werden, hatte regelmäßig Auftritte, studierte zudem noch Musik auf Lehramt. Zugleich jobbte er während des Studiums in der IT, weil er sich in dem Metier einiges selbst beigebracht hatte und gutes Geld verdiente. Dabei übernahm er auch kleinere Designaufgaben. Was ihn schließlich weg von der Musik und – gemeinsam mit seiner Frau Denise – hin zur Gründung der Werbeagentur Dégagée in Dachau führte. Das war vor 15 Jahren. „Wir waren mit unserer Agentur von Anfang an erfolgreich“, erzählt der Unternehmer. „Im Jahr 2018 mussten wir aber unerwartet einen Umsatzeinbruch hinnehmen.“ Er betont: „Selbstständige können immer einmal schlechtere Jahre erleben, wir nahmen 2018 daher zum Anlass für einen Realitätscheck.“ Während seine Frau ein abgeschlossenes Designstudium vorweisen konnte, hatte sich Malecki seine fachlichen Kompetenzen selbst angeeignet. „Wenn die Stagnation in unserem Unternehmen weitergegangen wäre und ich mich auf dem Arbeitsmarkt hätte bewerben müssen, hätten mir bei aller Erfahrung einfach ein Zeugnis oder ein Diplom gefehlt.“

Dann erfuhr er – aus der IHK-Zeitung – von ValiKom Transfer. ValiKom steht für „abschlussbezogene Validierung non-formal und informell erworbener Kompetenzen“. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung seit 2015 geförderte Projekt wird aktuell von 13 Handwerkskammern, 17 Industrie- und Handelskammern, darunter München, sowie zwei Landwirtschaftskammern umgesetzt. Berufsexperten bewerten in einem eigens entwickelten Verfahren für mehr als 30 Berufe berufsrelevante Kompetenzen, die außerhalb des formalen deutschen Bildungssystems erworben wurden. „In Deutschland arbeiten rund 20 Millionen Menschen in einem Bereich, in dem sie keinen formalen Berufsabschluss besitzen“, sagt Veronika Horneber, Bildungsreferentin der IHK für München und Oberbayern. „Mit ValiKom erwerben sie ein Zertifikat, das ihre Kompetenzen im Vergleich zu einem formellen Abschluss ganz bestätigt oder teilbestätigt.“

Das Zertifikat zu erhalten, erfordert einiges. Florian Malecki musste eine Probearbeit abgeben, diese vor Fachpersonen vorstellen, danach weitere praktische Aufgaben umsetzen und abschließend noch  umfangreiche theoretische Fragen beantworten. „Das ValiKom-Zertifikat bestätigt mir nun, dass ich die Kompetenzen habe, die auch ein Mediengestalter mit formellem Abschluss hat.“ Er sagt: „Inzwischen läuft unser Geschäft besser denn je. Aber sollte es jemals wieder einbrechen, fühle ich mich jetzt besser gewappnet.“ IHK-Referentin Horneber ergänzt: „Dabei erleichtert ValiKom Selbstständigen nicht nur den potenziellen Wechsel in eine Festanstellung. Auch gegenüber Kunden oder neuen Partnern kann ValiKom helfen, die informell erworbenen eigenen Kompetenzen oder auch die von Mitarbeitern zu belegen.“
www.ihk-muenchen.de/valikom


IHK-Zeitung Ausgabe 01/2022

 

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