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Rein ins Büro, raus aus dem Büro ...

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Alles mit Maske – Arbeitsweg und Büroaufenthalt in Coronazeiten

ORGANISATION: Als Folge von Corona wechseln manche Mitarbeiter regelmäßig zwischen Homeoffice und Betriebsarbeitsplatz. Was Unternehmen zum Homeoffice selbst und zu den Arbeitswegen beachten müssen, wenn sie flexibel auf schwankende Infektionszahlen reagieren wollen.

Für Homeoffice kann sich nicht jeder Beschäftigte begeistern. Sie wolle nie wieder in einer „Blackbox“ arbeiten, versicherte eine Agenturmitarbeiterin nach der Rückkehr aus dem sechswöchigen Lockdown im Frühjahr 2020. „Wenn ich auf meine Arbeit keine unmittelbare Resonanz erfahre, fühle ich mich unsicher.“ Andere Büromitarbeiter möchten hingegen sofort ins Homeoffice wechseln, wenn die Infektionszahlen auch nur leicht anziehen.
Arbeitgeber, insbesondere auch jene, die die physische Präsenz vor Ort für unverzichtbar halten, müssen daher zwischen unterschiedlichen Interessen abwägen. Sollen sie Betriebs- oder Mitarbeiterinteressen höher gewichten? „Einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice gibt es bislang nicht“, stellt IHK-Arbeitsrechtlerin Frauke Kamp klar. „Jeder Arbeitgeber ist jedoch zum Arbeitsschutz verpflichtet: Der Infektionsschutz gehört dazu.“ Gegebenenfalls muss ein Chef Homeoffice erwägen, wenn beispielsweise am betrieblichen Arbeitsplatz gesetzlich vorgeschriebene Abstände nicht eingehalten werden können. 

Viele Arbeitsverträge legen ausdrücklich fest, dass die Mitarbeiter „im Betrieb“ arbeiten müssen. „Eine Tätigkeit im Homeoffice setzt grundsätzlich das Einverständnis des Mitarbeiters voraus“, betont Kamp. Der Arbeitgeber sollte mit Mitarbeitern die im Homeoffice arbeiten verbindliche Vereinbarungen über Umfang und Inhalt der außerbetrieblichen Arbeit treffen. Alternativ kann er auch die Arbeitsplätze entsprechend den Anforderungen des Coronainfektionsschutzes umgestalten. Das heißt unter anderem, dass die Mitarbeiter im Abstand von 1,5 Meter arbeiten beziehungsweise Maske tragen, wenn Ersteres nicht möglich ist. 

Auch die Anfahrtswege zum Arbeitspatz sind zu hinterfragen – vor allem dann, wenn die Mitarbeiter den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) nutzen. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) erinnert an Untersuchungen, wonach nicht einmal im Fernverkehr erhöhte Ansteckungsgefahren herrschen. Dennoch ist das individuelle Empfinden oft anders. „Machen Sie flexible Arbeitszeiten möglich“, appelliert daher Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV), an Arbeitgeber. Wenn pendelnde Mitarbeiter auf Linienverkehre außerhalb der Stoßzeiten ausweichen, könne deren „subjektives Sicherheitsgefühl“ gesteigert werden. 

Trotzdem wird der Pkw für viele Pendler der Verkehrsträger Nummer eins bleiben. Allerdings muss auch er in Pandemiezeiten hinterfragt werden. „Fahrgemeinschaften, die grundsätzlich zu empfehlen sind, sollten stets auf den aktuellen Infektionssachstand angepasst werden“, sagt IHK-Experte Gerhard Wieland. Ansonsten bieten sich gerade in der Krise neue Wege an: Was spricht gegen Dienstfahrräder für Mitarbeiter, die per Bike zur Arbeit fahren wollen?



Homeoffice und Arbeitswege – Tipps für Coronazeiten 

  1. 
Sich versichern, dass die Betriebsräume coronagerecht umgestaltet sind. Hierbei sollte besonders auf die Bedürfnisse von älteren Mitarbeitern und solchen mit Vorerkrankungen geachtet werden.

  2. Mit Mitarbeitern spezifische Vereinbarungen fürs Homeoffice treffen (Zeit, Volumen, Arbeitsgeräte und so weiter).

  3. Bei Neueinstellungen prüfen, ob Vereinbarungen zu Homeoffice sinnvoll sind, und diese mit dem künftigen Mitarbeiter sofort aushandeln. 

  4. Die Anfahrt zur Arbeit mit Mitarbeitern besprechen. Wie lässt sich durch Arbeitsflexibilisierung oder Dienstfahrräder das Sicherheitsgefühl erhöhen? 

Weitere Informationen zum Thema Homeoffice unter:  www.ihk-muenchen.de – Suchbegriff: „Homeoffice“
 

IHK-Zeitung Ausgabe 04/2020

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