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Mitarbeiterführung

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Homeoffice plus Homeschooling gleich erhöhter Stress

MITARBEITERFÜHRUNG: Die Pandemie stellt Familien vor viele Herausforderungen, die über das normale Maß hinausgehen. Was können Unternehmer tun, um sie zu unterstützen?

Kinderbetreuung zu Hause statt in der Kita, zudem Homeschooling, gegebenenfalls noch die Pflege von Angehörigen, pandemiegerechte Hygiene und Gesundheitsschutz, kaum sozialer und sportlicher Ausgleich – die Herausforderungen, die sich Mitarbeitern neben ihren beruflichen Aufgaben stellen, sind durch die aktuelle Pandemie stark gewachsen. „Und sie können sehr belastend sein“, beobachtet Elfriede Kerschl, Leiterin des IHK-Referats Fachkräfte, Weiterbildung, Frauen in der Wirtschaft. „Dies sollten Arbeitgeber nicht unterschätzen und schauen, wie sie ihre Beschäftigten unterstützen und motiviert halten können.“ Homeoffice könne eine Möglichkeit sein. „Für produktives Arbeiten in  den eigenen vier Wänden müssen aber nicht nur Ausstattung und Rahmenbedingungen passen oder mitunter Prozesse nachjustiert werden“, fasst Kerschl zusammen. „Besonders wichtig sind gerade unter diesen Umständen eine offene und persönliche Kommunikation und die Wertschätzung durch die oder den Vorgesetzten.“ 
Julia Naetsch (40) von der Service-stelle des Familienpakts Bayern empfiehlt großen wie kleinen Unternehmen, ihren Mitarbeitern zudem mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeit einzuräumen: „Jahresarbeitszeitkonten oder die Möglichkeit, in Notsituationen zusätzliche Minusstunden aufzubauen, helfen insbesondere Beschäftigten mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen.“ Mit Blick aufs Homeoffice unterstreicht sie: Chefs sollten darauf achten, den Kontakt zu ihrem Team aufrecht zu erhalten und die jeweiligen Erwartungshaltungen gerade in belastenden Situationen immer wieder klären. 
Der Kitz Verlag in Karlsfeld bei München liefert ein gutes Beispiel, wie pandemiegerechte Unterstützung gelingen kann. Er publiziert das gedruckte KITZ-Magazin, das durch ein e-Journal, eine Internetplattform sowie eine App ergänzt wird. Den Themenkreis bilden hilfreiche Informationen für den Alltag von Familien in der Metropolregion München. Bereits vor dem Lockdown arbeitete das zehnköpfige Team des Verlags überwiegend vom Homeoffice aus. „Wir bieten unseren Mitarbeitern schon seit Jahren die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten“, sagt Inhaberin Elke von Sparre (62). Daher war nicht nur die erforderliche technische Ausstattung vorhanden, auch die organisatorischen Voraussetzungen passten zur pandemiegerechten Arbeitsform: Beim Kitz Verlag kann jeder Mitarbeiter selbst bestimmen, wann er sein Aufgabenpensum innerhalb des vereinbarten Stundenkontingents erledigt. 
Den Mitarbeitern Eigenverantwortung und Freiräume zu geben, bildet für von Sparre den wichtigsten Erfolgsfaktor für die Arbeit im Homeoffice. Die meisten Mitarbeiter sind seit vielen Jahren für den Verlag tätig. „Wir kennen uns daher alle sehr gut. Fragen oder Herausforderungen, die während der Arbeit im Homeoffice auftauchen, klären wir unkompliziert per Telefon oder E-Mail.“ Unter strenger Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln trifft sich das Team lediglich einmal pro Woche im Büro, um die Arbeiten zu koordinieren. „Damit kommen wir gut zurecht – und sind auch für weitere Lockdowns gut aufgestellt.“

IHK-TIPP
Beispielunternehmen gesucht

Dieses Jahr stehen beim Familienpakt Bayern kleinere Firmen im Fokus: „Kleine Betriebe, große Wirkung: Wie kleine Unternehmen mit Familienfreundlichkeit Zukunft gestalten“ lautet das Jahresmotto. 
Der Familienpakt sucht kleine Beispielunternehmen, die sich melden können unter: servicestelle@familienpakt-bayern.de
Weitere Informationen zu den konkreten Angeboten gibt es unter: www.familienpakt-bayern.de
Ein laufend aktualisiertes Dossier zum Thema Homeoffice gibt es auf den Seiten der IHK: www.ihk-muenchen.de – Suchbegriff „Coronavirus und Homeoffice“


IHK-Zeitung Ausgabe 01/2021

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