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Lohnende Plattform

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Verkauf im Internet – mittlerweile gibt es viele Plattformanbieter

VERTRIEB: Für viele stationäre Einzelhändler ist der Verkauf über E-Commerce-Marktplätze sinnvoll. 

Alternative Vertriebsformen gewinnen seit dem Lockdown an Bedeutung, beobachtet IHK-Handelsexpertin Carla Kirmis. Insbesondere Local Commerce auf Onlinemarktplätzen sei dabei ein großes Thema, ergänzt Ralph Hübner (45), Partner der ecom consulting GmbH aus München. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es mittlerweile mehr als 170 Internetverkaufsplattformen, weltweit über 480, ermittelte die aktuelle Studie „Marktplatzwelt 2020“, an der Hübner mitgearbeitet hat. Auf solchen Plattformen bieten Händler wie Hersteller Produkte an. „Die Transaktion verläuft in der Regel direkt zwischen dem Verkäufer und seinem Kunden“, erklärt Hübner. Der Marktplatz ermöglicht den Verkauf und kassiert dafür eine Provision. Für Einzelhändler kann dies äußerst lohnend sein. „Wegen der hohen Wettbewerbsintensität und der Transparenz sind Marktplätze vor allem für Handelsunternehmen mit eigenen Labels und partiell auch mit Sortimenten jenseits der Standardware geeignet“, sagt der Experte. 

Sie können damit überregional oder sogar international verkaufen, neue Zielgruppen erreichen und Überhänge, Sonderposten oder Einzelartikel vertreiben. Vor allem in den vergangenen beiden Jahren hat die Marktplatzentwicklung in Deutschland an Fahrt aufgenommen. Der Lockdown sorgte für weiteren Rückenwind. Dynamik brachten auch neue Marktplätze etwa von internationalen Anbietern, die deutschsprachige Varianten etablierten, oder von Handelsgrößen, die ihr Geschäft um einen virtuellen Marktplatz erweitert haben, wie Breuninger, Douglas, Metro, Media Saturn oder Zalando.


Was Handelsunternehmen beim Verkauf auf Onlinemarktplätzen beachten sollten

1. Marktplatzstrategie: 
Was soll durch den Verkauf auf einem Marktplatz erreicht werden? Welche Teile des Sortiments eignen sich dafür besonders? Kann der Marktplatz den eigenen Onlineshop ergänzen oder gar ersetzen? 

2. Auswahl: 
Zum Einstieg einen geeigneten Marktplatz auswählen und dabei die Perspektive der Kunden einnehmen. Auch auf die Besucher und Transaktions-zahlen sowie die Gebühren und Leistungen des Marktplatzes achten. 

3. Manpower: 
Man muss kein E-Commerce-Experte sein, um in den Marktplatzverkauf einzusteigen. Learning by Doing ist durchaus möglich. 

4. Optischer Auftritt: 
Gute Bilder und Produktbeschreibungen sind extrem wichtig. 

5. Organisation: 
Unbedingt notwendig sind aktuelle Bestandszahlen. Ohne Warenwirtschaftssystem müssen die Bestände auf dem Marktplatz akribisch gepflegt werden, um zu vermeiden, dass Bestellungen nicht ausgeliefert werden können.

6. Aufwand: 
Logistik und Retouren dürfen nicht unterschätzt werden. Sie sind aufwendig und teuer. 

7. Service: 
In jeder Hinsicht den bestmöglichen Service bieten. Onlinekäufer sind von den kundenfreundlichen Standards beim Markführer Amazon verwöhnt. 

Quelle: Ralph Hübner
 

IHK-Zeitung Ausgabe 04/2020

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