Betrieb + Praxis | Fachkräfte

Wissenslücken schließen

Meinzahn – istockphoto.com ©
Der Münchner Einzelhandel profitiert vom Kombimodell

FACHKRÄFTE: Mit dem Kombimodell Handel hilft die IHK, die Ausbildung 
von Jugendlichen mit Sprach- und Lerndefiziten zu stabilisieren und die 
Ausbilder zu entlasten. Die Basis ist ein zusätzlicher Berufsschultag.

Oft beginnen die Herausforderungen bereits wenige Wochen nach Ausbildungsstart: Während es im Betrieb gut läuft, kämpfen Azubis nicht selten mit Frust in der Berufsschule. Der Grund: Häufig reicht die Zeit im Fachunterricht nicht aus, um Wissenslücken zu füllen. Nachhilfe ist notwendig, um Fachbegriffe oder Fachkonzepte des Berufs zu erfassen. Leider reichen auch diese zusätzlichen Anstrengungen vielfach nicht aus: Wiederholungen der Abschlussprüfung oder Auflösung der Ausbildungsverträge sind nicht selten die Folge. Letzteres ist bundesweit Jahr für Jahr bei immerhin rund 25 Prozent der Ausbildungsverträge der Fall. „Die Pandemie verstärkt diese Situation“, erklärt Petra Kremer, Integrationskoordinatorin der IHK für München und Oberbayern. „Insbesondere Jugendliche, die Unterstützungsbedarf haben, weil sie zum Beispiel einen Flucht- und Migrationshintergrund haben, laufen Gefahr, dass sie durch die aktuell immer wieder unterbrochene Präsenzzeit und die langen Phasen des Homeschoolings die Schule mit größeren Lücken beenden“, betont Kremer. „Und damit starten sie dann auch von Vornherein schlechter in die Ausbildung.“
Hier setzt das neue IHK-Kombimodell für den Handel an: Es beinhaltet einen zusätzlichen Berufsschultag im ersten Ausbildungsjahr. Dieser Extratag bietet die Chance, Wissenslücken direkt in der Schulzeit zu schließen statt in zusätzlichen Terminen am Abend oder am Wochenende. Ein weiterer Pluspunkt sind die kleineren Lerneinheiten in der Kombiklasse. „Ziel ist es, die Ausbildung zu stabilisieren, die Ausbilder zu entlasten und zudem die Potenziale der Jugendlichen frühzeitig zu erkennen und zu fördern“, sagt Kremer. Je nach individuellem Bedarf kann der Azubi nach dem ersten Ausbildungsjahr weiterhin Unterstützung in Anspruch nehmen oder auch in die Regelklasse wechseln. Um den zusätzlichen Berufsschultag aufzufangen, verlängert sich die Berufsausbildung um sechs Monate. 
Die IHK zu Coburg setzt das Kombimodell seit 2016 erfolgreich um. In München wird es aktuell gemeinsam mit dem Referat für Bildung und Sport, dem Handelsverband Bayern und der Städtischen Berufsschule für den Einzelhandel München Mitte für den Beruf des Verkäufers und der Verkäuferin angeboten. Kremer sieht in dem Modell auch eine Chance gegen den Fachkräftemangel: „Die Wirtschaft braucht aktuell jeden Azubi. Das Kombimodell hilft, alle Potenziale zu nutzen, auch die der zunächst vermeintlich Schwächeren.“ 
 



Kombimodell im Überblick

Zielgruppen des Kombimodells:

  • Ausbildungsbetriebe im Großraum München
  • Alle Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf (unter anderem Schüler ohne oder mit schlechtem Schulabschluss, Jugendliche, die eine Berufsvorbereitungsjahr-Maßnahme besuchen, sowie Geflüchtete und Migranten mit mindestens ausreichenden Deutschkenntnissen)

Vorteile für den Ausbildungsbetrieb:

  • Kompetente Förderung zentral an der Berufsschule (nur eine Ansprechperson)
  • Entlastung der Ausbilder
  • 
Stabilisierung der Ausbildung durch ganzheitlichen Ansatz – keine zusätzlichen Förderangebote nötig
  • Planungssicherheit über die gesamte Ausbildungszeit
  • Weniger Ausbildungsabbrüche durch dauerhaft motivierte Azubis 

Start des Kombimodells im Handel:


  • Schuljahr 2021/22 an der Berufsschule Einzelhandel Mitte München

Weitere Informationen: www.ihk-muenchen.de/kombimodell


IHK-Zeitung Ausgabe 02/2021

Verwandte Themen