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Mitarbeiter nach Maß

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Mitarbeiter weiter zu qualifizieren, ergibt auch in Pandemiezeiten Sinn

FACHKRÄFTE: Über Fortbildungen können Unternehmen Beschäftigte wie Quereinsteiger bedarfsgerecht qualifizieren. Der Staat unterstützt sie mit Förderangeboten, von denen sie im Rahmen der Offensive WEITER.BILDUNG! sogar direkt finanziell profitieren.

Strukturwandel, Digitalisierung, demografische Entwicklung: „Weiterbildung ist für Unternehmen ein notwendiges Mittel, um in diesen Zeiten des Umbruchs und des Fachkräftemangels qualifiziertes Personal zu bekommen“, betont IHK-Fachkräftereferent Sebastian John. Der Knackpunkt: Weiterbildung hat ihren Preis, doch gerade kleine Unternehmen haben derzeit, da die Coronakrise das Wirtschaftsleben stark beeinträchtigt, weniger Geldmittel als sonst zur Verfügung. Firmen sollten daher gerade jetzt prüfen, ob für ausgewählte Mitarbeiter nicht eines der bewährten Unterstützungsangebote für Fortbildungen in Frage kommt (siehe Kasten) oder fürs Unternehmen selbst eine Förderung im Rahmen der Qualifizierungsoffensive der Arbeitsagentur WEITER.BILDUNG! – das Besondere: Diese steht seit 2019 nicht mehr nur Geringqualifizierten und Älteren, sondern allen Beschäftigten offen. „Und die Arbeitgeber erhalten direkte Zuschüsse zu den Lehrgangskosten und zum Arbeitsentgelt in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße“, erläutert Sebastian John. 

Bei Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern betragen die Zuschüsse zu den Lehrgangskosten bis zu 100 Prozent, zudem steuert die Bundesagentur für Arbeit zum Arbeitsentgelt während der Weiterbildung bis zu 75 Prozent bei.

Teilnehmer haben dafür einige Voraussetzungen zu erfüllen. So muss ein Unternehmen für seine Beschäftigten eine Weiterbildung von mehr als 120 Unterrichtseinheiten anstreben. „Auch ist beispielsweise vorab zu prüfen, ob der jeweilige Maßnahmenträger förderfähig ist“, erläutert Yvonne Diel-Rambeau (53), Fachberatung Fortbildung Beschäftigter bei der Arbeitsagentur in Dachau. Außerdem werden in der Regel nur Arbeitnehmer gefördert, deren letzte Ausbildung mindestens vier Jahre zurückliegt. „Am einfachsten ist es, wenn sich interessierte Unternehmer frühzeitig bei ihrer zuständigen Arbeitsagentur melden, um zu besprechen, welche Qualifizierungsvorhaben sich wie realisieren lassen und wie sich die Antragstellung zeitnah erledigen lässt“, so die Beraterin. 


Ausgewählte Weiterbildungsförderprogramme 
Weiterbildungsstipendium/Begabtenförderung berufliche Bildung

  • für junge berufliche Talente unter 25 Jahren ohne Hochschulabschluss nach ihrer beruflichen Ausbildung
  • hilft bei der Finanzierung von fachlichen und fachübergreifenden Weiterbildungen, unter bestimmten Voraussetzungen auch berufsbegleitendes Studium
  • in der Regel Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf mit der Durchschnittsnote 1,9 oder besser oder einem Gesamtergebnis von mindestens 87 Punkten notwendig
  • Förderung seit 2020 erhöht: maximal 8 100 Euro (bisher 7 200 Euro) verteilt auf drei Jahre
  • Bewerbungsschluss: jeweils der 28./29. Februar eines Jahres

Aufstiegs-BaföG

  • gefördert wird die Vorbereitung auf mehr als 700 Fortbildungsabschlüsse, wie Meister, Fachwirt, Techniker, Erzieher oder Betriebswirt
  • die Lehrgangskosten sowie Prüfungsgebühren werden bis zu einer maximalen Höhe von 15 000 Euro finanziert – dabei werden 50 Prozent durch Zuschuss und der Rest durch ein zinsgünstiges Darlehen gefördert
  • bei Bestehen der Prüfung können 50 Prozent des Darlehens erlassen werden – im Falle einer Existenzgründung sogar 100 Prozent 

Meisterbonus

  • Bonuszahlung des Freistaats Bayern von 2 000 Euro für erfolgreiche Absolventen von Fortbildungsprüfungen

Aufstiegsstipendium

  • unterstützt engagierte Fachkräfte mit Berufsausbildung und Praxis-erfahrung bei der Durchführung eines ersten akademischen Hochschulstudiums – in Vollzeit oder berufsbegleitend

Bildungsprämie des Bundes

  • richtet sich an Erwerbstätige mit geringem Einkommen, die sich individuell berufsbezogen weiterbilden wollen Detaillierte Infos zu den verschiedenen Fördermöglichkeiten: www.ihk-muenchen.de/foerderprogramme

 

IHK-Zeitung Ausgabe 04/2020

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