Standpunkte

Digitalisierungsschub 2020?

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Wie haben Sie 2020 die Digitalisierung in Ihrem Betrieb vorangebracht?

Sabine Bleumortier (49), Trainerin für Ausbilder, München
„Künftig zweigleisig: Onlineangebote und Präsenzseminare“

Weil aufgrund der Coronapandemie zeitweise keine Präsenzseminare mehr möglich waren, musste ich zwangsläufig Onlineveranstaltungen anbieten. Per Videokonferenztools habe ich in den vergangenen Monaten viele Webi-nare und ganztätige Live-Seminare durchgeführt. Auch Onlinekurse mit Videoclips und PDF-Dateien zum Download gehören zu meinem Programm. Im Jahr 2020 werde ich dank meiner neuen digitalen Angebote mit geringen Umsatzeinbußen und damit vergleichsweise gut durch die Wirtschaftskrise kommen. Ein Riesenvorteil der Onlineseminare ist es, dass man Reisekosten und Zeit spart, auch wenn die Vorbereitung im Endeffekt aufwendiger werden kann als bei klassischen Präsenzveranstaltungen. Eine Teilnahme ist per Internet von jedem Ort aus möglich. Künftig werde ich auf jeden Fall zweigleisig fahren – also online und mit Präsenzseminaren. 


Carola Grimminger (44), Marketingexpertin, Neubiberg 
„Erfolgreiches virtuelles Networking dank digiWiesn“

Dass die Wiesn dieses Jahr nicht stattfinden konnte, hat das berufliche Networking für viele Unternehmer sicherlich schmerzhaft eingeschränkt. Denn die Wiesn hat sich viele Jahre lang ausgezeichnet bewährt, um Geschäftsfreunde zu treffen und neue Businesskontakte zu knüpfen. Mit der digiWiesn jedoch, die von 18. September bis 3. Oktober stattfand, habe ich einen virtuellen Ersatz für das traditionelle Wiesn-Networking entdeckt. Das war natürlich ein Experiment und eine absolute Premiere. Aber es hat sich gelohnt, denn das Networking klappte per Videokonferenz in kleinen Gruppen mit bis zu 30 Teilnehmern hervorragend. Dabei konnte ich die für meine Arbeit extrem wichtigen Kontakte zu Top-Experten herstellen und festigen, vor allem aus der Gesundheitsbranche. Auch für viele andere digitale Themen erwies sich die digiWiesn als eine überaus interessante Networking-Plattform.


Paul Haberl (47), Eigentümer des Ausstellungszentrums Hofquartier und Vermieter, Taufkirchen
„Digitale Filterpumpen und Fokus auf Internetwerbung“

Im Hofquartier sind Aussteller aus diversen Branchen vertreten. Dazu gehören zum Beispiel Hersteller von Schwimmbadtechnik und Teichanlagen ebenso wie Anbieter von Innen- und Garteneinrichtung, von Saunen, Markisen und Sportwagen. Im vergangenen Jahr sind viele Produkte und Anbieter im Bereich Smarthome hinzugekommen – von zeit- oder mobil gesteuerten Rollläden bis hin zur kompletten intelligenten Gebäudeautomation. Unser Ausstellungszentrum trägt diesem digitalen Produktportfolio natürlich ebenfalls Rechnung, beispielsweise mit einer elektronischen tageslichtabhängigen Lichtsteuerung für unsere acht Ausstellungshallen. Dank Umstellung auf digitale Filterpumpen für die Pool- und Teichanlagen erzielen wir nicht nur deutliche Stromeinsparungen, sondern optimieren auch die Filterzeiten und die Wasserqualität. Auch in der eigenen Außendarstellung zeigt sich der hohe Grad unserer betrieblichen Digitalisierung: Unsere Werbeausgaben investieren wir jetzt zu 95 Prozent in Onlinewerbung, im Vorjahr waren es etwa 75 Prozent.


Stefan Nagy (56), Handelsvertreter, Aresing
„Videokonferenzen statt Reisen, Handy-Fotos von textilen Mustern“

Wegen der Coronapandemie musste ich meine Geschäftsreisen massiv reduzieren und meine Tätigkeit für die Textilbranche weiter digitalisieren. Skizzen und Muster von Stoffen, Bändern, Knöpfen oder Etiketten versende ich auf Basis von Scans per E-Mail. Das war früher die Ausnahme, jetzt ist es fast schon die Regel. Vor Corona bin ich zeitweise fast täglich auf einer Geschäftsreise unterwegs gewesen. Nun sind Reisen eher die Ausnahme, stattdessen kommuniziere ich mit Kunden auch mal per Videokonferenz. Als vorteilhaft erweist sich hierzu der Anschluss an das Glasfasernetz, weil die Leitungen eine extrem schnelle Datenübertragung sicherstellen. Mein Smartphone kommt in Coronazeiten beruflich noch häufiger zum Einsatz, etwa für Fotos von textilen Mustern, die ich per E-Mail oder Whatsapp verschicke.

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