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Begehrter Schokogipfel

Wolfgang Spiesberger/Alpenküche ©
Stolz auf seinen Verkaufsschlager – Wolfgang Spiesberger und die Watzmann Praline

FIRMENPORTRÄT: Aus dem markanten Wahrzeichen von Berchtesgaden formte Gastronom Wolfgang Spiesberger die Watzmann Praline. Sie beschert dem Familienbetrieb konstante Umsätze.

Wolfgang Spiesberger erinnert sich heute noch ganz genau an den klaren, sonnigen Wintertag vor 20 Jahren, an dem er auf einer Skitour am Jenner unterwegs war. Am Gipfel angelangt, bot sich ihm eine atemberaubende Aussicht: die schneebedeckte Spitze des 2 713 Meter hohen Watzmanns, dem mächtigen Bergmassiv der Berchtesgadener Alpen. „Bei dem Anblick hat es Klick gemacht. Diesen wunderbaren Berg müsste man sich auf der Zunge zergehen lassen“, dachte der Gastronom. Schon war die Idee für eine neue Praline geboren. 

Zu Hause lieh er sich Plastilin von seiner Tochter und formte daraus einen Rohling, Vorbild für die berühmte Watzmann Praline, die Spiesberger noch heute selbst herstellt und mit Erfolg verkauft. Schnell fand er eine Firma, die seinen Entwurf in eine Schokogussform mit dem Relief von Deutschlands zweithöchstem Berg umsetzte und meldete sofort die Markenrechte an. „Uns kommt zugute, dass Touristen aus aller Welt nach Berchtesgaden reisen“, sagt der gelernte Serviermeister, der dort 1991 mit seiner Frau Ute (59) eine Café-Konditorei eröffnet hatte.

Der leckere Schokogipfel, eine dreidimensionale Doppelpraline in Form des Watzmanns mit weißen Spitzen, die es inzwischen in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt, mauserte sich bald zum Markenzeichen des Unternehmens. Die Nachfrage wuchs kontinuierlich. Stammgäste nehmen sie mit, Touristen stecken sie als beliebtes Souvenir ein, Firmen ordern Großaufträge für Kunden- und Mitarbeitergeschenke zu besonderen Anlässen. Und für die deutschen Auslandssoldaten in Afghanistan – bei denen auch die Berchtesgadener Gebirgsjäger dabei sind –, war eine Watzmann Praline zu Weihnachten wie ein Stück Heimat. „Der hat halt was“, meint Spiesberger ehrfürchtig zu dem sagenumwobenen Berg mit der markanten Form. Seine außergewöhnliche Idee brachte einen regelrechten Umsatzschub. Der zweite Geschäftszweig half dem Ehepaar, Verbindlichkeiten leichter abtragen zu können. „Denn natürlich tranken viele Pralinenkunden auch bei uns Kaffee oder nahmen andere Produkte mit“, fügt der 63-Jährige hinzu, den inzwischen fast jeder im Ort kennt. Längst bieten auch andere ausgesuchte Läden seine kulinarischen Spezialitäten an. Der Erfolg der Watzmann Praline inspirierte den Gastronomen zu weiteren Kreationen wie die Bergkristall Praline oder die Königssee Praline mit den Zwiebeltürmen der Wallfahrtskirche St. Bartholomä, die Watzmann Torte oder die Watzmann Nudeln. „Mit neuen Produkten lassen wir es langsam angehen“, sagt Spiesberger, sie seien ja schließlich keine große Firma.

Inzwischen gibt es die kulinarischen Köstlichkeiten im Restaurant Spiesberger’s Alpenküche, das die Familie 2012 unter der Leitung von Tochter und Hotelfachfrau Sophie Renoth (34) im Informations- und Bildungszentrum Haus der Berge des Berchtesgadener Nationalparks eröffnet hat. „In der Übergangszeit haben wir zwei Betriebe geführt. Das war ziemlich anstrengend“, sagt Spiesberger, der 2016 das Café schloss und in den Teilzeit-ruhestand ging. „Die Abkürzung i. R. bedeutet allerdings nicht ‚im Ruhestand‘, sondern ‚in Reichweite‘“, meint er schelmisch. In der Backstube des jetzigen Betriebs, die er selbst entworfen hat, werden die Pralinen und Torten immer noch hergestellt – und wenn Not am Mann ist, springt Spiesberger ein. „Danach gehe ich noch lieber auf den Berg“, verrät der passionierte Skifahrer und Wanderer – natürlich mit der neuen Watzmann Tafelschokolade sowie Notizblock und Stift in der Tasche, falls ihm unterwegs wieder eine zündende Idee kommt.

www.watzmannpraline.com

IHK-Zeitung Ausgabe 04/2020

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