Digitalisierung

Aufstehen, Krönchen richten, weitergehen

ToscaBio ©
Vermittelt das Lebensgefühl der Toskana – Telsche Peters

FIRMENPORTRÄT: Rückschläge gehören zum Unternehmertum dazu, weiß Telsche Peters, Gründerin von ToscaBio TP. Erfolgreich ist, wer sich nicht entmutigen lässt, Neues wagt und dennoch seine Ziele konsequent weiterverfolgt. 

An sich sollte 2020 ihr Jahr der Expansion werden. Das Geschäft lief gut an, Telsche Peters wollte erstmals Mitarbeiter einstellen. „Doch die Coronakrise hat mich eiskalt erwischt“, gesteht die Unternehmerin. Normalerweise läuft bei der Inhaberin von ToscaBio TP in Eching-Deutenhausen vieles über die persönliche Schiene. Ihre meist kleinen Produzenten kennt die gebürtige Mainzerin, die in Kiel aufgewachsen ist und elf Jahre in Montalcino in der Toskana lebte, alle persönlich. Ebenso viele ihrer Abnehmer, die bei ihr ausgewählte italienische Bio-Weine, zertifizierte Olivenöle und Feinkost ordern – 70 Prozent sind Bestandskunden. „Doch durch den Lockdown gingen die Bestellungen aus der Gastronomie drastisch zurück und ich konnte von heute auf morgen auch keine privaten Verkostungen mehr anbieten.“ Für jemanden wie Peters, die es liebt, mit Leuten in Kontakt zu sein, Produkte in Geschichten verpackt, ein herber Schlag – und ein finanzieller Einbruch. Denn die einstige Feinschmecker- und Weinjournalistin spricht Genießer an, die bereit sind, für rare Qualitätsware verbunden mit umfassendem Fachwissen auch mal ein bisschen mehr Geld auszugeben. 
Peters versuchte, das Beste aus der Situation zu machen: Reale Weinproben im reduzierten Rahmen mit strengen Hygieneauflagen und Onlineverkostungen brachten jedoch nicht den erwünschten Erfolg. „Meine Produkte muss man probieren, ehe man ordert“, ist die 52-Jährige überzeugt. Ebenso davon, dass Leute während eines Lockdowns weniger hochwertig und teuer speisen. Ein eigener Onlineshop? Der erschien ihr bis dato wenig attraktiv, um ihre Kunden zu erreichen.
Aber Unternehmerin zu sein bedeutet, zu handeln, gegenzusteuern, neue Wege zu gehen – und so beauftragte Peters Mitte 2020 doch einen Dienstleister, einen Webshop für sie aufzubauen. Sich wieder aufzurappeln, Krisen für sich zu nutzen, das hatte die Italienliebhaberin spätestens gelernt, als sich ihr ehemaliger Vertriebspartner Deutschland über einen dreisten Vertrag weltweit die Vermarktungsrechte für alle Produkte von ToscaBio sichern wollte. Nach kurzer Schockstarre gab Peters ihm den Laufpass, setzte eine Zeit lang aus, zog 2015 von Italien zurück in die Bundesrepublik und startete 2018 mit ihrem Unternehmen schließlich alleine durch. 
Durch den outgesourcten Web-shop wollte sie sich Zeit freischaufeln, um größere Abnehmer zu akquirieren. Schließlich dauert die Coronapandemie nicht ewig, sagte sie sich, und da muss man vorbereitet sein. „Und die besten Geschäfte macht man persönlich.“ Tatsächlich warb die umtriebige Unternehmerin zwei neue Auftraggeber, darunter ein Bio-Hotel in Österreich, mit dem sie künftig zusammenarbeiten wird. Dennoch war ihre Ausbeute nicht so groß wie erhofft. „Viele potenzielle Großkunden wollen abwarten, wie sich die Lage entwickelt.“
Dafür begann sich aber eine andere Investition auszuzahlen. Bereits nach kurzer Zeit warf der Onlineshop unerwartet deutliche Gewinne ab, vermutlich nicht zuletzt deswegen, weil die Unternehmerin stets daran arbeitet, im Gespräch zu sein. Ein Podcast-Interview hier, ein Blog auf der eigenen Homepage, ein wöchentlicher Newsletter, täglich eine Stunde Instagram und Facebook. Parallel erweitert Peters, die vor ihrer gewerblichen Selbstständigkeit ein Buch über toskanische Bio-Landwirte geschrieben hatte, stetig ihr Produktportfolio: So hat sie kürzlich mit der ToscaBox eine Geschenkbox mit Feinkostprodukten, Weinen und Olivenölen auf den Markt gebracht. Auch eine Reise in die Toskana mit Kochkurs, Weinproben und Olivenölverkostungen – unter anderem auf dem Landgut von Popstar Sting – ist bereits für dieses Jahr geplant. 
Auch wenn neben dem Spaß an der Arbeit mitunter finanzielle Ängste ein Treiber für Peters permanentes Agieren sind und sich Rückschläge nicht vermeiden lassen – „Wenn es so einfach wäre, selbstständig zu sein, würde es ja jeder machen“ – eine Festanstellung käme für die Feinkostexpertin derzeit nicht in Frage: „Ich liebe meine unternehmerische Freiheit.“ So stellt sie selbst die Weichen dafür, um nach Corona wieder im persönlichen Austausch andere für ihre Leidenschaft zu begeistern: die Genusskultur Italiens.

www.toscabio.de


IHK-Zeitung Ausgabe 02/2021

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